Eine unstillbare Sehnsucht nach Frieden…
…spricht aus den 440 Feldpostbriefen, die der Pianist und Musiklehrer Paul Lefmann (1893 – 1929) als junger Soldat im Ersten Weltkrieg an seine Familie zu Hause in Bremen schrieb. Oliver Rosteck, Lehrer an der Bremer St. Johannis-Schule, war im Musikarchiv der Stadt auf den historischen Schatz gestoßen; die Schülerinnen und Schüler seines Geschichte-Leistungskurses (sowie der LK des Kollegen Sebastian Rothe) haben sich im Schuljahr 2024/25 eingehend damit beschäftigt und die Ausstellung „Eine unvorstellbare Sehnsucht nach Frieden“ erarbeitet, die im Frühjahr 2026 im Diözesanmuseum in Osnabrück und anschließend im Bremer Dommuseum zu sehen war. Anhand ausgewählter Brief-Passagen wurde dabei sichtbar, wie die anfängliche Kriegs-Begeisterung beim jungen Soldaten Lefmann bald einer immer größeren Angst und Verzweiflung weicht, angesichts der verstörenden Realität an der Front. Am Ende verabscheut er den Krieg und sehnt sich nur noch nach Frieden.
Im Rahmen einer Frankreich-Reise konnten die Jugendlichen aus Bremen auch mit Schülerinnen und Schülern des Lycée LaSalle in Reims ihre Erkenntnisse teilen – und eine Hoffnung: Wenn die einst so erbitterten Erzfeinde Deutschland und Frankreich einen Weg zu Versöhnung und Freundschaft gefunden haben, könnte dann nicht auch anderswo Krieg und Feindschaft überwunden werden..?
Eine unstillbare Sehnsucht nach Hoffnung…
…führt nun den Kammerchor an St. Johann und die Bremer Jugendkantorei zurück nach Frankreich – für zwei Konzerte (am 11.10. in Reims und am 13.10. in Rethel), die Lefmanns Brief-Texte in Verbindung mit seiner geliebten Musik nun auch einer breiteren französischen Öffentlichkeit zugänglich machen sollen.
„Verleih uns Frieden“ steht dabei gleich dreifach auf dem Programm – in Versionen von Felix Mendelssohn Bartholdy, Hugo Distler und Jutta Bitsch. Dazu Teile aus Gabriel Faurés Requiem und sein „Cantique de Jean Racine“.
Wieder soll es auch die Begegnung und den Austausch mit Schülerinnen und Schülern am Lycée LaSalle geben, um gemeinsam die Erinnerung an schmerzhafte Kriegs-Geschichte wach zu halten – in einem Geist von Frieden und Versöhnung. Denn die Hoffnung nach einer Welt ohne Krieg, so utopisch sie scheint, darf niemals aufgegeben werden!
Das Friedens-Konzert findet auch in Bremen statt – am Vorabend der Reise: Freitag, 9. Oktober um 20.00 Uhr in der Kirche St. Johann.
Projektleitung: Ilka Hoppe und Felix Mende
Förderung durch den Deutsch-Französischen Bürgerfonds. Dieser unterstützt „alle, die sich aktiv für eine starke europäische Zivilgesellschaft einsetzen. Berät, vernetzt und finanziert Projekte, die die deutsch-französische Freundschaft in Europa in der Breite der Bevölkerung erlebbar machen.“ Der Schwerpunkt liegt auf Projekten, die Begegnungen über Generationen und Grenzen hinweg ermöglichen. https://www.buergerfonds.eu/startseite
Ausschnitte aus dem Feldpostbriefen Paul Lefmanns (1893 bis 1929), stationiert 1915 bis 1918 in den besetzten Gebieten der Champagne und der Ardennen
„Ich glaube, lieber Papa, wenn Du diesen Scheißkram hier draußen mal 4 Wochen lang mitmachen könntest, dann würdest Du gern nach Hause gehen und es nicht als eine Ehre betrachten, im Schützengraben liegen zu können, wie Du mir früher einmal sagtest.“
„Liebe Eltern, … alles das drückt ungeheuer aufs Gemüt, und die Trostlosigkeit dieses Daseins kommt einem so recht zum Bewusstsein. … Wenn es doch nur erst zu Ende wäre!“
„Liebe Mutter, an einen diesjährigen Frieden glaube ich nicht mehr, überhaupt habe ich jede Hoffnung aufgegeben und meine Stimmung ist auf einen solchen Tiefstand gesunken, dass ich fast das Lachen verlernt habe.“